Ein Hoch auf die Väter! Oder warum es mich aufregt, dass Vatersein bestraft wird!

Väter wollen immer mehr für ihre Kinder da sein.
Väter wollen immer mehr für ihre Kinder da sein.

Vergangene Woche erschütterte mich ein Online-Artikel des Fachmagazins W&V, in dem ein junger Vater aufgrund seiner genommenen Elternzeit seinen Job in einer Agentur verlor.

Ich war wohl nicht allein mit meiner Erschrockenheit, denn die Geschichte verbreitete sich augenblicklich viral über die sozialen Netze. Auf der Internetseite der W&V ist mittlerweile zu lesen, dass selbst die BILD über den Fall berichtete.

Erschreckend: Vater nach Elternzeit gekündigt

Zwei Gedanken schossen mir durch den Kopf, als ich die Reaktionen zum Artikel einzuordnen versuchte.

Der erste: Still und leise fragte ich mich, ob eine derartige Reaktion wohl auch bei einer unmittelbar nach der Elternzeit gekündigten Mutter erfolgt wäre, und lieferte gleich die Antwort mit: Vermutlich nicht! Das soll jetzt aber keine Emanzen-Kritik sein; Im Gegenteil, hier könnte nun eine echte Chance auf Veränderung liegen. Denn bisher war das Elternzeit-Karriereaus vor allem ein Frauen-Problem.

Ist Elternzeit wie Urlaub?

Denn, mal ehrlich: Wegen zwei Monaten “Urlaub” (so zumindest die landläufige Meinung vieler Vorgesetzter in Bezug auf Elternzeit), wird ja keine neue Stelle besetzt oder womöglich die Abteilung umstrukturiert. Der harte Karriereknick blieb den meisten Vätern daher bisher erspart, womit ich nicht sagen will, dass nicht auf die zweimonatige Elternzeit ggf. auch unschöne Konsequenzen folgen könnten: Für die Beförderung wird vielleicht jemand anderes in Betracht gezogen, der gerade an Ort und Stelle war oder ein bestimmtes Projekt zu dem fraglichen Zeitpunkt erfolgreich abgewickelt hat oder der – ganz simpel gesagt – das traditionelle Weltbild, Erziehung sei Frauensache, nicht auf den Kopf gestellt hat. Das können alles Diskriminierungen sein, denen sich engagierte Väter bedauerlicherweise ausgesetzt sehen und die mehr und weniger schmerzhafte Folgen für die Karriere haben.

Die meisten Väter nehmen zwei Monate Elternzeit – dies könnte sich nun ändern

Väter spielen eine enorm wichtige Rolle in der Entwicklung von Kindern. Von Urlaub kann keine Rede sein.
Väter spielen eine enorm wichtige Rolle in der Entwicklung von Kindern. Von Urlaub kann keine Rede sein.

Dies sind jedoch vor allem, – ich will sie mal – weiche Faktoren nennen (gleichwohl sie gewiss nicht immer soft in ihren Konsequenzen sind), während ich hier noch mal von den – sagen wir – harten Faktoren sprechen möchte, die bislang eher weniger diskutiert wurden, da die überwiegende Anzahl der jungen Väter meist lediglich die zwei Monate Elternzeit beantragt hat. Dies könnte sich nun ändern, wie der vorliegende Fall in trauriger Weise illustriert.

Mitgefühl und Aufbruchsstimmung

Und hier komme ich dann zu meinem zweiten Gedanken: Echtes Mitgefühl mit dem jungen Vater, der sich jetzt plötzlich unfreiwillig und völlig unvorbereitet auf dem freien Arbeitsmarkt befindet, und zwar, weil er Anteil haben wollte an der Entwicklung seines Kindes. Ich wünsche ihm, dass er auch dank der medialen Aufmerksamkeit, die seinem Schicksal nun zuteil wurde, schnell eine herausfordernde Stelle findet.

Mit dem Mitgefühl mischt sich aber eben auch so etwas wie Aufbruchsstimmung. Wie schön wäre es, wenn wir jetzt endlich mal gemeinsam und vereint – jenseits von Geschlechterdiskursen, -krämpfen und -kämpfen – bei Unternehmen und Politik (ich denke, hier müssen öffentliche und private Hand zusammenarbeiten) dafür stritten, die Karriereperspektiven von jungen Eltern zu verbessern? Zum Beispiel durch flexible Arbeitszeiten, Jobsharing-Modelle, Motivationsanreize, nach der Elternzeit genauso engagiert zurückzukehren, und vielen weiteren Initiativen?

Mit Kindern schulen wir unsere Soft Skills und werden für den Arbeitgeber noch wertvollere Arbeitskräfte

Soft Skills sind wichtig im Job und werden zu Hause mit kleinen Kindern trainiert - völlig kostenfrei für den Arbeitgeber. © Trueffelpix - Fotolia.com
Soft Skills sind wichtig im Job und werden zu Hause mit kleinen Kindern trainiert – völlig kostenfrei für den Arbeitgeber. © Trueffelpix – Fotolia.com

Wo sonst werden Soft Skills wie Führungsstärke, Einfühlungsvermögen, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Geduld, Teamgeist, Überzeugungskraft, Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit oder Kreativität so gut geschult (und das auch noch völlig kostenfrei für den Arbeitgeber) wie in den eigenen vier Wänden mit dem zuweilen nervenaufreibenden Nachwuchs?

Kinder kosten, ja: Und?

Und mit Verlaub: Ich kann es nicht mehr hören, dass Elternzeit Unternehmen etwas kostet. Meine Sache ist es ohnehin nicht, Kinder und deren Erziehung volks- oder betriebswirtschaftlich zu rechtfertigen, aber gut: Ja, das alles kostet sicher, so wie viele andere Dinge auch. Aber was kostet es eigentlich, wenn es keine Kinder mehr gibt? Abgesehen davon, dass hier völlig unberücksichtigt bleibt, wie wundervoll es ist, Kinder zu haben. Der Kommentar eines Freundes auf den oben erwähten Fall lautet: “Wer Kinder bekommen bestraft, versteht nicht, wie Wirtschaft funktioniert. Keine Kinder, keine Kunden, keine Rente, keine Zukunft!” So, das musste mal gesagt werden.

Präsenzpflicht am Arbeitsplatz zementiert traditionelle Rollenmuster

berufstätige Mütter
Die Vorweihnachtszeit ist meistens von sehr viel Stress geprägt! Für viele berufstätige Mütter ist das ganze Jahr vor Weihnachten! 

5 vor Weihnachten: 258 unerledigte Mails, noch keine Geschenke für die Nichte, den Bruder und die Schwiegermutter besorgt, die extra angefertigten Weihnachtskarten müssen beschrieben und zur Post gebracht, die zahllosen Rechnungen für Auto-, Unfall- und Haftpflichtversicherungen bezahlt, vor der Abreise noch schnell die Wäsche gewaschen und gebügelt werden…Puh!

Für viele berufstätige Mütter ist das ganze Jahr vor Weihnachten

Wer kennt das nicht? In den Wochen vor Weihnachten beginnt ein wahrer Erledigungsmarathon und statt mal einen Moment zur Ruhe und zur sprichwörtlichen Besinnung zu kommen, hetzen wir von Termin zu Mail und wieder zurück, um noch alles rechtzeitig zu organisieren. Gut, dass es sich nur um einige wenige Wochen des Jahres handelt. Oder?

Was die meisten nicht wissen, ist, dass berufstätige Mütter (oft sind es leider vor allem noch die Mamas, gleichwohl Väter mit der gleichen Doppelbelastung ausdrücklich auch meine Bewunderung haben) das ganze Jahr über einen gar nicht so kleinen Marathon zurücklegen. Das Absurde dabei ist traurigerweise, dass dies in aller Regel noch nicht einmal honoriert wird. (Bestimmt nicht bös gemeinte, aber doch unsere Gesellschaft entlarvende) Ausrufe an eine berufstätige Mutter, die nachmittags gehetzt und vom schlechtem Gewissen geplagt das Büro verlässt, um den Knirps aus der Kita zu holen, sind indes häufig: “Na, dann mach Dir mal nen schönen Nachmittag.” Verstecktes Weltbild dahinter: Wer nicht im Büro ist, arbeitet auch nicht. So werden tradierte Rollenmuster weiter zementiert.

Wer im Büro ist, arbeitet doch, oder?

Ich möchte das gern an folgendem Beispiel kurz veranschaulichen:

Neulich verabredete ich mich am Telefon mit einem mir sehr lieben, ehemaligen Kollegen zu einem Kaffee an einem Mittwoch Vormittag um 11 Uhr. Mein Freund, der das Gespräch meinerseits mit anhörte (und übrigens selbst freiberuflich tätig ist), fragte mich anschließend, ob dieser Kollege denn nicht arbeiten müsse um diese Zeit.

Effizienz hat nichts mit Präsenz zu tun.
Effizienz hat nichts mit Präsenz zu tun.

Erst als ich mich ganz selbstverständlich “Doch, doch” antworten hörte, bemerkte ich, dass genau das ja eigentlich nicht unbedingt selbstverständlich ist, sonder vielmehr eine Errungenschaft oder gewonnene Freiheit in der modernen Arbeitswelt gegenüber dem Arbeitgeber. Denn: Eigentlich ist es ja toll, dass nicht in erster Linie die Präsenz eines Arbeitnehmers bewertet wird, sondern dessen Leistungen und Ergebnisse. Und wenn die nach einem anregenden Gespräch, versüßt mit einem koffeinhaltigen Getränk, noch besser werden, weil der Austausch die Kreativität anregt, warum nicht? Soweit so gut. Wie schön wäre unsere Arbeitswelt also, wenn jeder sich seine Arbeitszeit so legen könnte, wie es seinen Bedürfnissen entspricht?

So lange wir bis 20 Uhr im Büro bleiben, ist alles in Ordnung

Das Problem dabei ist bloß, dass es in der Wahrnehmung ein riesengroßer Unterschied ist, ob ich als Arbeitnehmer(in) mal vormittags eine Stunde weg bin und dafür bis 20 Uhr an meinem Schreibtisch klebe (muss ja keiner wissen, dass der wichtige Vormittagstermin in Wirklichkeit ein Kaffee-Plausch war) oder regelmäßig um spätestens 16.30 Uhr mein Büro räume, um a) mein Kind aus der Kita abzuholen, b) einen Pflegefall zu betreuen, c) ein zeitintensives Hobby zu betreiben oder d) einfach mein Leben leben zu wollen. Niemand nimmt indes Notiz davon, dass diejenige Arbeitnehmerin schon seit 8 Uhr morgens im Büro sitzt, um ihr Pensum zu schaffen, für das andere vielleicht 60 Stunden benötigen. Für ausgedehnte Mittagspausen oder zwischenzeitliche Kaffeeplauschereien bleibt einfach keine Zeit. Wichtige Mails hingegen werden vielleicht noch am späten Abend beantwortet. Die Technik macht es dankenswerter Weise möglich. Experten bescheinigen berufstätigen Müttern übrigens schon seit geraumer Zeit eine besonders effiziente Arbeitsweise (für jonglierende Väter gilt vermutlich durchaus Ähnliches, doch mangels häufigen Vorkommens gibt es leider hierzu bisher wenig Konkretes). Volker Kotte vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht sogar noch einen Schritt weiter: „Arbeitnehmerinnen mit Kindern gehören zu den Ölquellen, die Unternehmen bislang noch zu wenig angezapft und gefördert haben.“  (Quelle: Wall Street Journal).

Na, dann, liebe Arbeitgeber: Worauf wartet Ihr noch?

Was wir brauchen, ist Flexibilität

Flexible Arbeitszeiten
Flexible Arbeitszeiten ermöglichen eine effiziente Arbeitsweise und damit gute Ergebnisse. Und darum geht es doch!

Bei meinen Recherchen im Netz zu den Themen “Effizienz”, “flexible Arbeitszeitmodelle” und “Präsenzpflicht” bin ich auf die tolle Initiative Effizienz statt Präsenz des VBM (Verband berufstätiger Mütter) gestoßen, die für flexiblere Lösungen für arbeitende Mütter kämpft. 110817–Flyer_Effizienz_statt_Präsenz_RZ_neu Ich finde das großartig und hoffe, dass sich viele Unternehmen diesem Vorhaben anschließen.

Fröhliche und entspannte Weihnachten!
Fröhliche und entspannte Weihnachten!

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen (nicht nur) entspannte Weihnachten!

Müssen Frauen vor allem schön sein? Oder was Weiblichkeit im Job bedeutet

Weiblichkeit: Was ist schön?
Ist Weiblichkeit schön?

Frauenquote, Männer in Elternzeit: Ich habe ein wenig überlegen müssen, welchem Thema ich mich in diesem Beitrag widme, weil ich mich nicht ausschließlich mit der schwierigen Arbeitswelt von Müttern beschäftigen möchte, auch wenn das aus meiner Sicht ein sehr wichtiges Anliegen ist.

In den letzten Tagen dominierte aufgrund des ja nun endlich verabschiedeten Gesetzentwurfs mal wieder das Thema Frauenquote die Medien. Aber darüber möchte ich heute gar nicht schreiben, weil hierüber schon hinreichend Wichtiges und Unwichtiges berichtet wurde. Und ich den verabschiedeten Entwurf auch beileibe nicht bahnbrechend finde. Mir geht es heute um die Weiblichkeit im beruflichen Kontext.

Auch bei Angela Merkel ging es zunächst ums Aussehen

Sicher erinnern sich viele noch an die merkwürdigen öffentlich geführten Diskussionen, als Angela Merkel 2005 erstmals um die Kanzlerschaft kandidierte und ihr Aussehen und Kleidungsstil von vielerlei Seite ausführlich kommentiert und begutachtet wurden. Ich frage mich, wann in der Öffentlichkeit stehende Männer ungefragt derart viele Styling-Tipps erhalten haben. Das ist jetzt fast ein Jahrzehnt her; viel verändert hat sich jedoch leider seither nicht. Und das, obwohl wir seitdem ein von einer Frau regiertes Land sind und das Bundeskabinett noch nie so viele weibliche Mitglieder hatte. Scheint also alles ganz schön tief zu sitzen. Und vielleicht sind ja auch nicht an allem die bösen Männer schuld?

Ganz häufig verbinden wir mit Weiblichkeit das Aussehen. Ist die Frau unattraktiv oder zumindest nicht schön, lassen wir uns darüber lang und breit aus, als gäbe es nichts Wichtigeres, zu sehen zum Beispiel im Fall Angela Merkel, während das Thema Schönheit bei Männern fast keine, oder zumindest eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Ist die Frau hingegen schön, hat sie den guten Job doch nur genau deswegen gekriegt. Wer schön ist, kann eben nicht auch noch intelligent sein.

Bloggerinnen starten #Nichtschön

Sehr interessant finde ich in diesem Zusammenhang die von einigen Bloggerinnen und Youtuberinnen unlängst ins Leben gerufene #nichtschön Kampagne, in der junge Frauen sich dafür aussprechen, doch bitte bei Weiblichkeit nicht immer zuerst ans Aussehen zu denken. Ich finde die Idee nicht schlecht, auf sympathische Art mal auf das Thema aufmerksam zu machen.

Große Gesten oder: Wer ist hier der Boss?

Neulich habe ich ein längeres Gespräch mit einer sehr guten Freundin geführt, die auf den ersten Blick gar kein gutes Beispiel für meine Argumentation zu sein scheint, hat sie es doch schließlich geschafft als Professorin, oder etwa nicht? Wie oft, erzählte sie mir, passiere es ihr immer wieder, dass männliche Gesprächsteilnehmer sie schlichtweg gar nicht wahrnehmen und ausschließlich mit den anderen männlichen Diskutanten sprechen? Bestimmt hat der eine oder die andere dieses Phänomen auch schon mal erlebt: In den ersten Minuten einer mehr oder weniger formellen Zusammenkunft, in denen männliche Teilnehmer zahlenmäßig dominieren, wird mittels nonverbaler Kommunikation ausgelotet, wer jeweils das Sagen hat. Da die meisten Frauen diese nonverbalen Codes nicht dechiffrieren können oder wollen, fallen sie eben von vornherein für diese Rolle aus.

Ist Chef sein männlich?
Weiblichkeit im Job bedeutet aber noch etwas anderes als Exklusion. Oft geht damit die Assoziation mit bestimmten Eigenschaften einher. Das kommt unter anderem daher, dass wir bestimmte Eigenschaften als männlich und eben andere als weiblich einstufen. Wenn ich jetzt zum Beispiel „kooperativ“, oder „empathisch“ schreibe, denken die meisten hier sicherlich eher an eine Frau als einen Mann. „Dominant“ oder „durchsetzungsstark“ wiederum lassen uns eher an einen Mann denken. Oder? Interessant dabei ist, dass wir dasselbe Verhalten bei Frauen und Männern jeweils unterschiedlich bewerten. Während ein hart durchgreifender Mann als durchsetzungsstark gilt, gilt eine sich identisch verhaltende Frau vielfach als schwierig, zickig oder gar hysterisch. Das gleiche gilt übrigens (leider) ebenso für die andere Seite. Da wir von Frauen einen ausgleichenden Führungsstil erwarten, weil er gemeinhin zu den weiblichen Eigenschaften zählt, empfinden wir diesen auch als positiv. Verhält sich nun ein Mann genauso, läuft er Gefahr, als weich, unmännlich und ohne Rückgrat missverstanden zu werden. Frauen tragen also ebenso zu diesen Bildern bei.

Sprache kann Einstellungen verändern

Wie groß der sprachwissenschaftliche Einfluss auf gesellschaftliche Zustände ist, haben bereits verschiedene Theoretiker wie Judith Butler, Louis Althusser oder Jacques Derrida eingehend untersucht und beschrieben. Nicht wissenschaftlich, aber auf jeden Fall lebensnah hat sich die Anfang des Jahres gestartete Ban-Bossy-Kampagne mit dem Thema auseinandergesetzt, in der erfolgreiche Frauen aus Show, Politik und Wirtschaft dafür plädieren, die Sprache zu verändern, weil sie sie für mitverantwortlich für unser Bild von Weiblichkeit und den entsprechenden Assoziationen halten.

Weiblichkeit

Mir ist bewusst, dass es Frauen gibt, die sich in ihrer weiblichen Opferrolle gefallen. Ganz und gar möchte ich mich hier dieses Eindrucks erwehren und statt einer Anleitung zum Mäuschensein lieber ein Plädoyer halten, eine aktive Rolle einzunehmen (und bin sicher, dass die meisten Leserinnen und Leser eine ähnliche Überzeugung haben wie ich). Ertragen und weiter jammern kann also nicht die Lösung sein. Sollten wir Frauen uns also anpassen und zum Beispiel Codierungen erlernen, um in Gesprächen mehr Gehör zu verschaffen? Ich glaube, es gibt – wie meist im Leben – nicht das „Richtig“ und das „Falsch“. Vielmehr muss jede Frau den für sie richtigen Weg finden.

Audrey Hepburn: klug, raffiniert und weiblich.
Audrey Hepburn: klug, raffiniert und weiblich.

Ich für meinen Teil habe meine Antwort bereits gefunden und möchtemit einem Zitat von Ursula von der Leyen (was übrigens keine Rückschlüsse auf meine politische Gesinnung zulässt) schließen und es an alle Leserinnen richten: „Versuchen Sie niemals, ein zweitklassiger Mann zu werden, Sie sind eine erstklassige Frau.“

Warum haben es junge Mütter bei der Jobsuche so schwer?

Frauen haben viele Gesichter und Bedürfnisse. Es geht darum, dass sie ihr Leben selbstbestimmt leben können und dazu die Möglichkeit erhalten.
Frauen haben viele Gesichter und Bedürfnisse. Es geht darum, dass sie ihr Leben – im Job und privat – selbstbestimmt leben können und dazu die Möglichkeit erhalten.

„Welche Stressbewältigungsstrategien zur Vereinbarkeit von Job und Familie haben Sie entwickelt?“ „Was machen Sie, wenn weder Partner (meine erste Antwort), noch Babysitter (meine zweite Antwort), noch Großeltern (meine dritte Antwort) das Kind betreuen können?“

Am meisten habe ich mich bei diesen Fragen, denen ich in Bewerbungsgesprächen ausgesetzt war, hinterher darüber geärgert, nicht zurückgefragt zu haben: „Stellen Sie solche Fragen eigentlich auch männlichen Bewerbern, die in ihrem Lebenslauf angegeben haben, sie seien Vater?“ (Ich habe mich mal umgehört in meinem Freundes- und Bekanntenkreis und kann diese Frage – zumindest für diese jungen Väter – definitiv mit “Nein” beantworten.) Leider ist es mir in dem Moment jedoch nicht eingefallen, zu konsterniert war ich ob der Tatsache, dass solche provokanten Fragetechniken im 21. Jahrhundert, einer Zeit also, in der aus allen Ecken und Mündern der demographische Wandel als das eigentliche Übel entlarvt wird, tatsächlich noch geübte Praxis sind.

Mütter müssen sich in Bewerbungsgesprächen provokante Fragen gefallen lassen

Das besonders Traurige daran ist, dass sich diese Interrogation ganz spielerisch auf sämtliche  Branchen und Tätigkeitsfelder übertragen lässt, ohne dass es einer größeren Anpassung bedarf. Die Frauen und Mütter, mit denen ich über ihren beruflichen Wiedereinstieg gesprochen habe, könnten qua ihrer beruflichen Herkunft nicht unterschiedlicher sein: Ob Zahnärztin, NGO, Kostümbildnerin, Apotheke, Hotelmanagerin oder Personalvermittlung: Die Erfahrungen sind leider ähnliche.

Job Interview
Job Interview

(Meine vierte und wohl aus Sicht des Interviewers auch nicht richtige Antwort war übrigens, dass ich das Projekt dann im Homeoffice beenden würde).

Kinder sind immer noch Frauensache

Genau darin scheint jedoch das Kernproblem zu liegen: Im Job-Kontext scheinen Kinder grundsätzlich nur ihre Mütter etwas anzugehen (und so also der Karriere eher hinderlich zu sein), nicht jedoch deren Väter. (Dabei kenne ich unheimlich viele Väter, die sich genauso liebevoll um ihr krankes Kind kümmern wie das die Mama täte.)

Aus langjähriger Beobachtung weiß ich, dass ein (zumindest nach außen) intaktes Familienleben für die meisten Männer sogar karrierebegünstigend wirkt. Dieser Umstand könnte auch mit einer bisweilen noch erschreckend großen homophoben Einstellung unter uns zusammenhängen. Die gesendete Botschaft lautet dann: Hey, mit mir ist “alles in Ordnung”.  Daran können auch öffentliche Bekundungen Promineter  wie kürzlich die des Apple Chef Tim Cook,  der seine Homosexualität öffentlich bekannt gab und dafür natürlich – nach dem offiziellen Konsens – von allen Kollegen hinreichend mit Zuspruch überhäuft wurde, nicht viel ändern. Die wirklich beschämende und leider noch real existierende Homophobie wird also nicht öffentlich zur Schau gestellt, außer vielleicht von der erzkonservativen Skandalnudel Matthias Matussek, aber in diesem Fall vielleicht nur, um gelesen und wahrgenommen zu werden…wer weiß?! Auf jeden Fall heißt es nicht, dass sie nicht mehr existiert. Leider.

Nach außen wird Toleranz propagiert

Für mich liegen aber genau hier der Kern und die Analogie. Kein Mensch (na gut, kaum einer) würde ja auch heute noch öffentlich zugeben, dass Frauen und Mütter nicht arbeiten sollen. Aber meinen tun es dann doch sehr viele nicht. Mag ja sein, höre ich jetzt viele einwenden, dass es viele Frauen gibt, die nach ihrer Babypause im Job ein wenig kürzer treten und nur noch in Teilzeit arbeiten wollen. Und die der ausgeübten Tätigkeit nicht mehr allzu großes Gewicht geben, weil sie ihr selbstbestimmtes Leben eher im Privaten verwirklicht sehen. Ich werde mir sicher in keinem Fall anmaßen, den einen Weg als den richtigeren zu beurteilen. Im Gegenteil: Oft genug frage ich mich ja auch, ob es nicht auch ein bisschen grausam von mir, in jedem Fall aber häufig genug traurig ist, mein eigenes Kind so früh in die Fremdbetreuung gegeben zu haben. Die für mich entscheidende Wahlfreiheit macht es einem meistens nicht leicht.

Motive für Vereinbarkeit von Job und Familie sind vielfältig – Voraussetzungen dafür müssen geschaffen werden

Es gibt aber eben auch Frauen, die möchten gern genau da weitermachen, wo sie sechs bis zwölf Monate zuvor aufgehört haben, die wollen durchstarten. Sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen. Vielleicht müssen sie es auch, weil ihr Gehalt ganz wesentlich zum Haushaltseinkommen beiträgt und fest damit gerechnet wird? Oder sie alleinerziehend sind? Das Leben mit Kindern wird ja in aller Regel nicht günstiger.

Klar ist auch, dass sich die Arbeitswelt in der Zwischenzeit weiter gedreht hat. Wer also nach der Babypause nahtlos an alte Positionen anknüpfen möchte, sollte sich währenddessen immer mal wieder mit den für die jeweilige Branche relevanten Themen beschäftigen, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Ganz gleich aber, ob Selbstverwirklichung, ein höherer Lebensstandard oder aber Existenzsicherung dahinter stehen, wir als Frauen müssen an unsere eigene Zukunft denken. Ja, zum Glück gibt es keine Abhängigkeiten und Versorgungsansprüche mehr von Frauen an ihre Exmänner, Unterhaltsansprüche gelten ausschließlich für die Kinder.

Selbstbestimmung steht im Vordergrund

Frauen im Job
Frauen können auch arbeiten.
Und das finde ich gut. Weil ich ein selbstbestimmtes Leben führen möchte. Ich möchte mit meinem Partner zusammen sein, weil ich mit ihm zusammen sein möchte. Und nicht aus irgendeinem anderen Grund. Das kann ich auch dank vieler Demonstrationen und hartnäckiger Frauen, die etwas an unserer Lage verändert haben. Leider ist es jedoch noch nicht ganz so. Wer nämlich nicht ordentlich in die öffentliche (und private) Rentenversicherung eingezahlt hat, dem (der) droht im Alter die Armut.
Darüber mache ich mir Gedanken.
Ich möchte gern arbeiten und auch im Alter nicht abhängig sein müssen von (m)einem Mann. Sondern auch im Alter noch die Wahlfreiheit haben. Nicht nur darum ärgert es mich, dass junge und gut ausgebildete Mütter es so schwer haben, eine attraktive Anstellung zu finden. Hier läuft noch etwas schief.