Warum haben es junge Mütter bei der Jobsuche so schwer?

Frauen haben viele Gesichter und Bedürfnisse. Es geht darum, dass sie ihr Leben selbstbestimmt leben können und dazu die Möglichkeit erhalten.
Frauen haben viele Gesichter und Bedürfnisse. Es geht darum, dass sie ihr Leben – im Job und privat – selbstbestimmt leben können und dazu die Möglichkeit erhalten.

„Welche Stressbewältigungsstrategien zur Vereinbarkeit von Job und Familie haben Sie entwickelt?“ „Was machen Sie, wenn weder Partner (meine erste Antwort), noch Babysitter (meine zweite Antwort), noch Großeltern (meine dritte Antwort) das Kind betreuen können?“

Am meisten habe ich mich bei diesen Fragen, denen ich in Bewerbungsgesprächen ausgesetzt war, hinterher darüber geärgert, nicht zurückgefragt zu haben: „Stellen Sie solche Fragen eigentlich auch männlichen Bewerbern, die in ihrem Lebenslauf angegeben haben, sie seien Vater?“ (Ich habe mich mal umgehört in meinem Freundes- und Bekanntenkreis und kann diese Frage – zumindest für diese jungen Väter – definitiv mit “Nein” beantworten.) Leider ist es mir in dem Moment jedoch nicht eingefallen, zu konsterniert war ich ob der Tatsache, dass solche provokanten Fragetechniken im 21. Jahrhundert, einer Zeit also, in der aus allen Ecken und Mündern der demographische Wandel als das eigentliche Übel entlarvt wird, tatsächlich noch geübte Praxis sind.

Mütter müssen sich in Bewerbungsgesprächen provokante Fragen gefallen lassen

Das besonders Traurige daran ist, dass sich diese Interrogation ganz spielerisch auf sämtliche  Branchen und Tätigkeitsfelder übertragen lässt, ohne dass es einer größeren Anpassung bedarf. Die Frauen und Mütter, mit denen ich über ihren beruflichen Wiedereinstieg gesprochen habe, könnten qua ihrer beruflichen Herkunft nicht unterschiedlicher sein: Ob Zahnärztin, NGO, Kostümbildnerin, Apotheke, Hotelmanagerin oder Personalvermittlung: Die Erfahrungen sind leider ähnliche.

Job Interview
Job Interview

(Meine vierte und wohl aus Sicht des Interviewers auch nicht richtige Antwort war übrigens, dass ich das Projekt dann im Homeoffice beenden würde).

Kinder sind immer noch Frauensache

Genau darin scheint jedoch das Kernproblem zu liegen: Im Job-Kontext scheinen Kinder grundsätzlich nur ihre Mütter etwas anzugehen (und so also der Karriere eher hinderlich zu sein), nicht jedoch deren Väter. (Dabei kenne ich unheimlich viele Väter, die sich genauso liebevoll um ihr krankes Kind kümmern wie das die Mama täte.)

Aus langjähriger Beobachtung weiß ich, dass ein (zumindest nach außen) intaktes Familienleben für die meisten Männer sogar karrierebegünstigend wirkt. Dieser Umstand könnte auch mit einer bisweilen noch erschreckend großen homophoben Einstellung unter uns zusammenhängen. Die gesendete Botschaft lautet dann: Hey, mit mir ist “alles in Ordnung”.  Daran können auch öffentliche Bekundungen Promineter  wie kürzlich die des Apple Chef Tim Cook,  der seine Homosexualität öffentlich bekannt gab und dafür natürlich – nach dem offiziellen Konsens – von allen Kollegen hinreichend mit Zuspruch überhäuft wurde, nicht viel ändern. Die wirklich beschämende und leider noch real existierende Homophobie wird also nicht öffentlich zur Schau gestellt, außer vielleicht von der erzkonservativen Skandalnudel Matthias Matussek, aber in diesem Fall vielleicht nur, um gelesen und wahrgenommen zu werden…wer weiß?! Auf jeden Fall heißt es nicht, dass sie nicht mehr existiert. Leider.

Nach außen wird Toleranz propagiert

Für mich liegen aber genau hier der Kern und die Analogie. Kein Mensch (na gut, kaum einer) würde ja auch heute noch öffentlich zugeben, dass Frauen und Mütter nicht arbeiten sollen. Aber meinen tun es dann doch sehr viele nicht. Mag ja sein, höre ich jetzt viele einwenden, dass es viele Frauen gibt, die nach ihrer Babypause im Job ein wenig kürzer treten und nur noch in Teilzeit arbeiten wollen. Und die der ausgeübten Tätigkeit nicht mehr allzu großes Gewicht geben, weil sie ihr selbstbestimmtes Leben eher im Privaten verwirklicht sehen. Ich werde mir sicher in keinem Fall anmaßen, den einen Weg als den richtigeren zu beurteilen. Im Gegenteil: Oft genug frage ich mich ja auch, ob es nicht auch ein bisschen grausam von mir, in jedem Fall aber häufig genug traurig ist, mein eigenes Kind so früh in die Fremdbetreuung gegeben zu haben. Die für mich entscheidende Wahlfreiheit macht es einem meistens nicht leicht.

Motive für Vereinbarkeit von Job und Familie sind vielfältig – Voraussetzungen dafür müssen geschaffen werden

Es gibt aber eben auch Frauen, die möchten gern genau da weitermachen, wo sie sechs bis zwölf Monate zuvor aufgehört haben, die wollen durchstarten. Sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen. Vielleicht müssen sie es auch, weil ihr Gehalt ganz wesentlich zum Haushaltseinkommen beiträgt und fest damit gerechnet wird? Oder sie alleinerziehend sind? Das Leben mit Kindern wird ja in aller Regel nicht günstiger.

Klar ist auch, dass sich die Arbeitswelt in der Zwischenzeit weiter gedreht hat. Wer also nach der Babypause nahtlos an alte Positionen anknüpfen möchte, sollte sich währenddessen immer mal wieder mit den für die jeweilige Branche relevanten Themen beschäftigen, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Ganz gleich aber, ob Selbstverwirklichung, ein höherer Lebensstandard oder aber Existenzsicherung dahinter stehen, wir als Frauen müssen an unsere eigene Zukunft denken. Ja, zum Glück gibt es keine Abhängigkeiten und Versorgungsansprüche mehr von Frauen an ihre Exmänner, Unterhaltsansprüche gelten ausschließlich für die Kinder.

Selbstbestimmung steht im Vordergrund

Frauen im Job
Frauen können auch arbeiten.
Und das finde ich gut. Weil ich ein selbstbestimmtes Leben führen möchte. Ich möchte mit meinem Partner zusammen sein, weil ich mit ihm zusammen sein möchte. Und nicht aus irgendeinem anderen Grund. Das kann ich auch dank vieler Demonstrationen und hartnäckiger Frauen, die etwas an unserer Lage verändert haben. Leider ist es jedoch noch nicht ganz so. Wer nämlich nicht ordentlich in die öffentliche (und private) Rentenversicherung eingezahlt hat, dem (der) droht im Alter die Armut.
Darüber mache ich mir Gedanken.
Ich möchte gern arbeiten und auch im Alter nicht abhängig sein müssen von (m)einem Mann. Sondern auch im Alter noch die Wahlfreiheit haben. Nicht nur darum ärgert es mich, dass junge und gut ausgebildete Mütter es so schwer haben, eine attraktive Anstellung zu finden. Hier läuft noch etwas schief.

4 Gedanken zu “Warum haben es junge Mütter bei der Jobsuche so schwer?

  1. Auf die provokante Frage an Berufsrückkehrerinnen beim Interview bzgl. der Kinderbetreuung gibt es nur eine Antwort: die Betreuung ist auch im Krankheitsfall gewährleistet.
    Diese Antwort kann man dann auch gern gebetsmühlenartig auf Insitieren wiederholen.
    Wer hier versucht, sich zu erklären, kann nur verlieren.
    Aber ich ärgere mich auch immer wieder darüber, dass die 50er Jahre in Deutschland scheinbar niemals enden.

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    1. Liebe Christine, vielen Dank für Deinen ersten Kommentar und Deinen Ratschlag. Ich freue mich sehr, dass wir anfangen zu diskutieren. Ich wollte mit dem Artikeleinstieg vor allem zum Ausdruck bringen, dass doch etwas nicht richtig läuft, wenn wir uns Frauen (und anscheinend nur wir) überhaupt so viele Gedanken über die richtige Antwort machen müssen. Und klar, deswegen muss jede von uns eine Strategie entwickeln, wie sie mit solchen Fragen umgeht.

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  2. Mein Antwortvorschlag:
    „Und was machen Sie, wenn ich diesen Job genau jetzt nicht mehr will?!“ Aufstehen, Krönchen richten, und ab dafür.

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  3. Aus meiner Sicht kann die Lösung nur aus eigener Kraft gefunden und umgesetzt werden. Jeder Schritt von Männern, hin zu hochqualifizierten und hervorragenden Arbeitnehmerinnen, bedeutet potenziellen unbewussten oder bewussten Machtverlust. Warum sollte dies ein Mann freiwillig tun, außer es handelt sich vielleicht um seine Liebe, er hat klare Absichten (Welcher Art auch immer….) oder (und darauf setze ich) er bekommt es hoffentlich mehr und mehr durch uns Frauen vorgemacht. Und ich verstehe die Männer und wüsste nicht einmal, ob ich anders handeln würde, wäre ich keine Frau. Ist bequem, erfordert keine Umstellung und erstickt jede Machtbedrohung im Keim…..prima Mechanismus

    Lasst uns als Frauen die Hände reichen und nicht (wie so oft härter als Männer untereinander) konkurrieren!

    Lasst uns als Frauen Unternehmen gründen, in denen man vielleicht sogar bei JEDER Stelle sein Arbeitszeitvolumen (natürlich transparent und planbar für die Kolleginnen und Kollegen)selbst bestimmt!

    Lasst uns in diesen neuen Unternehmen qualifizierte und liebevolle Kinderbetreuung anbieten!

    Lasst uns voneinander profitieren durch Betreuungspatenschaften für den Alltag, Streßtage oder unvorhergesehne Bedarfe!

    Lasst uns den Mut haben, neue Arbeits-Modelle auszuprobieren und durch Effektivität, Effizienz und Spaß an der Arbeit glänzen wie ein Leuchtturm in Sachen Erfolg und Wirtschaftlichkeit……..!

    Mal sehen, ob dann bald die Quote nur noch belächelt wird 🙂

    Frauen, die nicht ohne Einschränkungen wieder 50-70 Stunden zur Verfügung stehen wollen, dennoch aber Topperformer und hochmotiviert sind, sind eine Zielgruppe, die nur darauf wartet abgeholt zu werden.
    Aber da wir es sind, die warten, sollten wir nicht mehr warten, sondern STARTEN!!!!!

    Starten in eine neue moderne Welt mit echter flexibler Arbeitszeit und damit raus aus allen gegebenen Korsetts, die wir als natürlich und gegeben hinnehmen.

    WIR SOLLTEN MUTIG(ER) SEIN!

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