Präsenzpflicht am Arbeitsplatz zementiert traditionelle Rollenmuster

berufstätige Mütter
Die Vorweihnachtszeit ist meistens von sehr viel Stress geprägt! Für viele berufstätige Mütter ist das ganze Jahr vor Weihnachten! 

5 vor Weihnachten: 258 unerledigte Mails, noch keine Geschenke für die Nichte, den Bruder und die Schwiegermutter besorgt, die extra angefertigten Weihnachtskarten müssen beschrieben und zur Post gebracht, die zahllosen Rechnungen für Auto-, Unfall- und Haftpflichtversicherungen bezahlt, vor der Abreise noch schnell die Wäsche gewaschen und gebügelt werden…Puh!

Für viele berufstätige Mütter ist das ganze Jahr vor Weihnachten

Wer kennt das nicht? In den Wochen vor Weihnachten beginnt ein wahrer Erledigungsmarathon und statt mal einen Moment zur Ruhe und zur sprichwörtlichen Besinnung zu kommen, hetzen wir von Termin zu Mail und wieder zurück, um noch alles rechtzeitig zu organisieren. Gut, dass es sich nur um einige wenige Wochen des Jahres handelt. Oder?

Was die meisten nicht wissen, ist, dass berufstätige Mütter (oft sind es leider vor allem noch die Mamas, gleichwohl Väter mit der gleichen Doppelbelastung ausdrücklich auch meine Bewunderung haben) das ganze Jahr über einen gar nicht so kleinen Marathon zurücklegen. Das Absurde dabei ist traurigerweise, dass dies in aller Regel noch nicht einmal honoriert wird. (Bestimmt nicht bös gemeinte, aber doch unsere Gesellschaft entlarvende) Ausrufe an eine berufstätige Mutter, die nachmittags gehetzt und vom schlechtem Gewissen geplagt das Büro verlässt, um den Knirps aus der Kita zu holen, sind indes häufig: “Na, dann mach Dir mal nen schönen Nachmittag.” Verstecktes Weltbild dahinter: Wer nicht im Büro ist, arbeitet auch nicht. So werden tradierte Rollenmuster weiter zementiert.

Wer im Büro ist, arbeitet doch, oder?

Ich möchte das gern an folgendem Beispiel kurz veranschaulichen:

Neulich verabredete ich mich am Telefon mit einem mir sehr lieben, ehemaligen Kollegen zu einem Kaffee an einem Mittwoch Vormittag um 11 Uhr. Mein Freund, der das Gespräch meinerseits mit anhörte (und übrigens selbst freiberuflich tätig ist), fragte mich anschließend, ob dieser Kollege denn nicht arbeiten müsse um diese Zeit.

Effizienz hat nichts mit Präsenz zu tun.
Effizienz hat nichts mit Präsenz zu tun.

Erst als ich mich ganz selbstverständlich “Doch, doch” antworten hörte, bemerkte ich, dass genau das ja eigentlich nicht unbedingt selbstverständlich ist, sonder vielmehr eine Errungenschaft oder gewonnene Freiheit in der modernen Arbeitswelt gegenüber dem Arbeitgeber. Denn: Eigentlich ist es ja toll, dass nicht in erster Linie die Präsenz eines Arbeitnehmers bewertet wird, sondern dessen Leistungen und Ergebnisse. Und wenn die nach einem anregenden Gespräch, versüßt mit einem koffeinhaltigen Getränk, noch besser werden, weil der Austausch die Kreativität anregt, warum nicht? Soweit so gut. Wie schön wäre unsere Arbeitswelt also, wenn jeder sich seine Arbeitszeit so legen könnte, wie es seinen Bedürfnissen entspricht?

So lange wir bis 20 Uhr im Büro bleiben, ist alles in Ordnung

Das Problem dabei ist bloß, dass es in der Wahrnehmung ein riesengroßer Unterschied ist, ob ich als Arbeitnehmer(in) mal vormittags eine Stunde weg bin und dafür bis 20 Uhr an meinem Schreibtisch klebe (muss ja keiner wissen, dass der wichtige Vormittagstermin in Wirklichkeit ein Kaffee-Plausch war) oder regelmäßig um spätestens 16.30 Uhr mein Büro räume, um a) mein Kind aus der Kita abzuholen, b) einen Pflegefall zu betreuen, c) ein zeitintensives Hobby zu betreiben oder d) einfach mein Leben leben zu wollen. Niemand nimmt indes Notiz davon, dass diejenige Arbeitnehmerin schon seit 8 Uhr morgens im Büro sitzt, um ihr Pensum zu schaffen, für das andere vielleicht 60 Stunden benötigen. Für ausgedehnte Mittagspausen oder zwischenzeitliche Kaffeeplauschereien bleibt einfach keine Zeit. Wichtige Mails hingegen werden vielleicht noch am späten Abend beantwortet. Die Technik macht es dankenswerter Weise möglich. Experten bescheinigen berufstätigen Müttern übrigens schon seit geraumer Zeit eine besonders effiziente Arbeitsweise (für jonglierende Väter gilt vermutlich durchaus Ähnliches, doch mangels häufigen Vorkommens gibt es leider hierzu bisher wenig Konkretes). Volker Kotte vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht sogar noch einen Schritt weiter: „Arbeitnehmerinnen mit Kindern gehören zu den Ölquellen, die Unternehmen bislang noch zu wenig angezapft und gefördert haben.“  (Quelle: Wall Street Journal).

Na, dann, liebe Arbeitgeber: Worauf wartet Ihr noch?

Was wir brauchen, ist Flexibilität

Flexible Arbeitszeiten
Flexible Arbeitszeiten ermöglichen eine effiziente Arbeitsweise und damit gute Ergebnisse. Und darum geht es doch!

Bei meinen Recherchen im Netz zu den Themen “Effizienz”, “flexible Arbeitszeitmodelle” und “Präsenzpflicht” bin ich auf die tolle Initiative Effizienz statt Präsenz des VBM (Verband berufstätiger Mütter) gestoßen, die für flexiblere Lösungen für arbeitende Mütter kämpft. 110817–Flyer_Effizienz_statt_Präsenz_RZ_neu Ich finde das großartig und hoffe, dass sich viele Unternehmen diesem Vorhaben anschließen.

Fröhliche und entspannte Weihnachten!
Fröhliche und entspannte Weihnachten!

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen (nicht nur) entspannte Weihnachten!