Müssen Frauen vor allem schön sein? Oder was Weiblichkeit im Job bedeutet

Weiblichkeit: Was ist schön?
Ist Weiblichkeit schön?

Frauenquote, Männer in Elternzeit: Ich habe ein wenig überlegen müssen, welchem Thema ich mich in diesem Beitrag widme, weil ich mich nicht ausschließlich mit der schwierigen Arbeitswelt von Müttern beschäftigen möchte, auch wenn das aus meiner Sicht ein sehr wichtiges Anliegen ist.

In den letzten Tagen dominierte aufgrund des ja nun endlich verabschiedeten Gesetzentwurfs mal wieder das Thema Frauenquote die Medien. Aber darüber möchte ich heute gar nicht schreiben, weil hierüber schon hinreichend Wichtiges und Unwichtiges berichtet wurde. Und ich den verabschiedeten Entwurf auch beileibe nicht bahnbrechend finde. Mir geht es heute um die Weiblichkeit im beruflichen Kontext.

Auch bei Angela Merkel ging es zunächst ums Aussehen

Sicher erinnern sich viele noch an die merkwürdigen öffentlich geführten Diskussionen, als Angela Merkel 2005 erstmals um die Kanzlerschaft kandidierte und ihr Aussehen und Kleidungsstil von vielerlei Seite ausführlich kommentiert und begutachtet wurden. Ich frage mich, wann in der Öffentlichkeit stehende Männer ungefragt derart viele Styling-Tipps erhalten haben. Das ist jetzt fast ein Jahrzehnt her; viel verändert hat sich jedoch leider seither nicht. Und das, obwohl wir seitdem ein von einer Frau regiertes Land sind und das Bundeskabinett noch nie so viele weibliche Mitglieder hatte. Scheint also alles ganz schön tief zu sitzen. Und vielleicht sind ja auch nicht an allem die bösen Männer schuld?

Ganz häufig verbinden wir mit Weiblichkeit das Aussehen. Ist die Frau unattraktiv oder zumindest nicht schön, lassen wir uns darüber lang und breit aus, als gäbe es nichts Wichtigeres, zu sehen zum Beispiel im Fall Angela Merkel, während das Thema Schönheit bei Männern fast keine, oder zumindest eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Ist die Frau hingegen schön, hat sie den guten Job doch nur genau deswegen gekriegt. Wer schön ist, kann eben nicht auch noch intelligent sein.

Bloggerinnen starten #Nichtschön

Sehr interessant finde ich in diesem Zusammenhang die von einigen Bloggerinnen und Youtuberinnen unlängst ins Leben gerufene #nichtschön Kampagne, in der junge Frauen sich dafür aussprechen, doch bitte bei Weiblichkeit nicht immer zuerst ans Aussehen zu denken. Ich finde die Idee nicht schlecht, auf sympathische Art mal auf das Thema aufmerksam zu machen.

Große Gesten oder: Wer ist hier der Boss?

Neulich habe ich ein längeres Gespräch mit einer sehr guten Freundin geführt, die auf den ersten Blick gar kein gutes Beispiel für meine Argumentation zu sein scheint, hat sie es doch schließlich geschafft als Professorin, oder etwa nicht? Wie oft, erzählte sie mir, passiere es ihr immer wieder, dass männliche Gesprächsteilnehmer sie schlichtweg gar nicht wahrnehmen und ausschließlich mit den anderen männlichen Diskutanten sprechen? Bestimmt hat der eine oder die andere dieses Phänomen auch schon mal erlebt: In den ersten Minuten einer mehr oder weniger formellen Zusammenkunft, in denen männliche Teilnehmer zahlenmäßig dominieren, wird mittels nonverbaler Kommunikation ausgelotet, wer jeweils das Sagen hat. Da die meisten Frauen diese nonverbalen Codes nicht dechiffrieren können oder wollen, fallen sie eben von vornherein für diese Rolle aus.

Ist Chef sein männlich?
Weiblichkeit im Job bedeutet aber noch etwas anderes als Exklusion. Oft geht damit die Assoziation mit bestimmten Eigenschaften einher. Das kommt unter anderem daher, dass wir bestimmte Eigenschaften als männlich und eben andere als weiblich einstufen. Wenn ich jetzt zum Beispiel „kooperativ“, oder „empathisch“ schreibe, denken die meisten hier sicherlich eher an eine Frau als einen Mann. „Dominant“ oder „durchsetzungsstark“ wiederum lassen uns eher an einen Mann denken. Oder? Interessant dabei ist, dass wir dasselbe Verhalten bei Frauen und Männern jeweils unterschiedlich bewerten. Während ein hart durchgreifender Mann als durchsetzungsstark gilt, gilt eine sich identisch verhaltende Frau vielfach als schwierig, zickig oder gar hysterisch. Das gleiche gilt übrigens (leider) ebenso für die andere Seite. Da wir von Frauen einen ausgleichenden Führungsstil erwarten, weil er gemeinhin zu den weiblichen Eigenschaften zählt, empfinden wir diesen auch als positiv. Verhält sich nun ein Mann genauso, läuft er Gefahr, als weich, unmännlich und ohne Rückgrat missverstanden zu werden. Frauen tragen also ebenso zu diesen Bildern bei.

Sprache kann Einstellungen verändern

Wie groß der sprachwissenschaftliche Einfluss auf gesellschaftliche Zustände ist, haben bereits verschiedene Theoretiker wie Judith Butler, Louis Althusser oder Jacques Derrida eingehend untersucht und beschrieben. Nicht wissenschaftlich, aber auf jeden Fall lebensnah hat sich die Anfang des Jahres gestartete Ban-Bossy-Kampagne mit dem Thema auseinandergesetzt, in der erfolgreiche Frauen aus Show, Politik und Wirtschaft dafür plädieren, die Sprache zu verändern, weil sie sie für mitverantwortlich für unser Bild von Weiblichkeit und den entsprechenden Assoziationen halten.

Weiblichkeit

Mir ist bewusst, dass es Frauen gibt, die sich in ihrer weiblichen Opferrolle gefallen. Ganz und gar möchte ich mich hier dieses Eindrucks erwehren und statt einer Anleitung zum Mäuschensein lieber ein Plädoyer halten, eine aktive Rolle einzunehmen (und bin sicher, dass die meisten Leserinnen und Leser eine ähnliche Überzeugung haben wie ich). Ertragen und weiter jammern kann also nicht die Lösung sein. Sollten wir Frauen uns also anpassen und zum Beispiel Codierungen erlernen, um in Gesprächen mehr Gehör zu verschaffen? Ich glaube, es gibt – wie meist im Leben – nicht das „Richtig“ und das „Falsch“. Vielmehr muss jede Frau den für sie richtigen Weg finden.

Audrey Hepburn: klug, raffiniert und weiblich.
Audrey Hepburn: klug, raffiniert und weiblich.

Ich für meinen Teil habe meine Antwort bereits gefunden und möchtemit einem Zitat von Ursula von der Leyen (was übrigens keine Rückschlüsse auf meine politische Gesinnung zulässt) schließen und es an alle Leserinnen richten: „Versuchen Sie niemals, ein zweitklassiger Mann zu werden, Sie sind eine erstklassige Frau.“